Ich hatte letzten Monat ein Erstgespräch. Ein junger Mann mit Migräne und Schlafstörungen kam zu mir. Seine Mutter hatte sich um den Termin bemüht. Nach dem Erstgespräch stellte sich heraus, dass er derzeit keine Migräne-Anfälle hat, jedoch sehr unter den Schlafstörungen leidet.

Wir haben besprochen, als Therapie ein Handerwärmungstraining zu machen. Ein Handerwärmungstraining reduziert die Anfallshäufigkeit und sorgt gleichzeitig für eine Entspannung. Es ist ein anerkanntes Verfahren in der Migräne-Therapie. Die Entspannung ist hilfreich, um den Schlaf zu fördern.

Parallel dazu wollte er mit einem mobilen Neurofeedback-Training starten, um seine Alpha-Wellen zu stärken. Die sind hilfreich für eine wache Entspannung und unterstützen das Einschlafen.

Eine Woche später meldet sich seine Mutter und sagt, dass ihr Sohn die Therapie abbricht, bzw. er gar nicht erst mit dem Handerwärmungstraining begonnen hat.

Was hat dazu geführt?
Ich denke, es gibt verschiedene Erklärungsmodelle.

Meine erste Hypothese: der junge Mann hat einen Nutzen aus seinen psychischen Gesundheitsproblemen. Er kann lange schlafen, das Umfeld versorgt ihn. Alles gut. Das subjektive Leiden ist zu gering. Das nennt sich sekundärer Krankheitsgewinn.

Meine zweite Hypothese: die Mutter kümmert sich um alles und der Sohn hat wenig Selbstverantwortung. Dadurch ist seine Motivation gering, weil der eigene Einsatz um sich besser zu fühlen gering ist.

Letztendlich ist es egal, was den jungen Mann daran gehindert hat, die Therapie zu machen. Mit einer geringen Motivation seitens der Klienten ist eine Therapie sehr schwierig und die Aussicht auf Genesung gering.

Ich wünsche ihm jedoch sehr, dass er einen guten Weg findet, um seine Gesundheitsprobleme in den Griff zu bekommen.

Liebe Grüße,

Euer Ralf